Vom Drucktiegel zum Privatmuseum

Die Idee, Zeugnisse aus der Welt der »Schwarzen Kunst« für die Zukunft zu bewahren, hatte Rolf Goldschagg schon immer gereizt. Als er sich 1991 als Verwaltungschef des Süddeutschen Verlages in den Ruhestand verabschiedete, nahm dieser Traum konkrete Formen an.

Seine ehemaligen Mitarbeiter überreichten ihm als Anspielung auf seine Passion für die Handwerkskunst der Bleizeit eine Druckmaschine mit stehendem Fundament, einen sogenannten »Drucktiegel«. Dieser bildete den Grundstein einer Sammlung, die Exponate aus der »Blei-Ära« umfaßt. Europaweit forschten Rolf Goldschagg und Johann Paintner, der ehemalige Lehrmeister für Satztechnik und Chef der SV-Lehrwerkstätte, nach entsprechenden Maschinen. Viele davon haben Geschichte geschrieben bzw. gedruckt - beispielsweise die Rotationsmaschine VOMAG der Vogtländischen Maschinenbau AG, Plauen, aus dem Jahre 1935. Auf einer solchen Maschine, nur um einiges größer, wurde am 6. Oktober 1945 die erste Ausgabe der Süddeutschen Zeitung in fünfspaltigem Textaufbau sowie im Rheinischen Format gedruckt.

Goldschaggs Vater Edmund war einer der drei Lizenznehmer, die von der amerikanischen Militärregierung mit der Herausgabe einer Tageszeitung beauftragt wurden. Als Journalist war Edmund Goldschagg während der nationalsozialistischen Herrschaft mit Berufsverbot belegt. Gewichtige Worte sprach A. Gerecke, Chef der Presseabteilung des amerikanischen Presse-Kontrollamtes, bei Übergabe der Lizenz Nr. 1:
»Lehren Sie die Bürger dieses Landes, daß Menschenwürde ein kostbares Gut ist ...«
Am 24. Juli 1982 liefen die letzten »heiß produzierten« Seiten der SZ durch die Rotationsmaschinen. Digitale Technik im Satzbereich sowie in der Reproduktionstechnik übernahm die Regie und verdrängte die traditionelle Handwerkskunst mitsamt der hochentwickelten Maschinentechnik vom angestammten Platz. Das Ende einer langen Ära war gekommen.
Einen ganz besonderen Eindruck möchte das Privatmuseum Goldschagg den Besuchern vermitteln: Die Bleizeit für den Besucher in anschaulicher Weise wieder aufleben lassen.